5. Deaf Dental Forum

von 26. - 28. Februar 2016

Das Meisterstück

Die drei Tage, wie sie laut Programmheft angekündigt waren, waren gefühlt wie ein einziger. Der Cuxhavener ZTM André Thorwarth der Botschafter und Schirmherr für hochwertige dentale Fortbildung für gehörlose Zahntechniker hat wieder einmal sein Meisterstück abgelegt: Mit seinen zehn hochkarätigen Referenten und ihren aktuellen und interessanten Themen hat er wieder einmal sein 5. Deaf Dental Forum Ende Februar 2016 mit Bravour und Anerkennung von allen Seiten auf und über die Bühne gebracht.

Volles Haus, das DDF 2016 – Deal-Dental-Forum in Cuxhaven war wieder einmal reichlich von höchst interessierten Zahntechnikern besucht.

Die Koordinatorin

Katja Fischer mit ihrer hervorragenden Moderation hat der gesamten Veranstaltungen zum wiederholten Mal eine absolut professionelle Linie beschert. Überleitungen, Ansagen sowie Interviews waren stets auf den Punkt gebracht. Katja Fischer, gelernte Zahntechnikerin, beherrscht die internationale Gebärdensprache und hatte zusätzlich die Vorträge für einen anwesenden Zahntechniker aus Vilnius/-Litauen übersetzt. Außerdem ist sie Dipl. Sozialarbeiterin/-pädagogin – Hochschuldozentin und staatlich geprüfte Dolmetscherin für Gebärdensprache(n).

Die „Dental“-Dolmetscher

Karen Wünsche und Patrick George die uneingeschränkten und routinierten, ja man möchte aus unserer Sicht mittlerweile gerne sagen: „Dental-Gebärden-Dolmetscher“, haben selbst so manches mit Fach- und Fremdwörtern gespicktes Vortragsgewitter verständlich und interessant gedolmetscht.

Die Inhalte

Das thematische Spektrum war wieder einmal breit gefächert und reichte von Non-invasiver Keramik über 3D Kunststoff-Drucker und intraoral-Scanner über die fachgemäße Verarbeitung von Werkstoffen wie Peek und einem hochtransparenten PMMA-Kunststoff, aus dem sich ohne Porositäten und ohne Drucktopf hervorragende passende Aufbissbehelfe anfertigen lassen. Ergänzt wurden die Vorträge von Themen wie: Die Kommunikation am Arbeitsplatz, Dysfunktion der Kiefer, von alten aber richtigen Wegen zur perfekten Unterfütterung von totalen Prothesen, von einem Live-Bericht einer bei einem Patientenkurs versorgten Patientin und ihrem langen Leidensweg. Selbst die Aspekte und der richtige Einsatz der dentalen Photographie mit dem Schwerpunkten der fachgerechten Dokumentation der eigenen Arbeiten, dem notwendigen Zubehör und neuem Equipment aus der Dentalindustrie, trafen hier auf offene Ohren.
Auch die Einteilung der Vorträge war wieder einmal so arrangiert, dass theoretische und wissenschaftliche Themen im Wechsel mit praktischen Erfahrungs-berichten standen.

Kommunikative Unterstützung

Nach guter alter Gewohnheit hatten die 85 gehörlosen Zahntechniker, aus dem ganzen deutschsprachigen Raum, darunter der eine Zahntechniker aus Vilnius/ Litauen in den Pausen zwischen allen Vorträgen immer wieder die Möglichkeit, sich an den neun Ständen der anwesenden Industriefirmen die Fragen zu deren Vorträgen beantworten zu lassen. Gleichzeitig konnten sie mit den Informationen zu den ausgestellten Produkten und Arbeitsgängen ihr eigenes Fachwissen erweitern. Das konnte deshalb reibungslos geschehen, da an jedem Stand fortwährend zur Unterstützung der fachlichen Kommunikation wieder Studentinnen zum Gebärdensprachdolmetscher aus Magdeburg zu Verfügung standen, die so für den notwendigen „barrierefreien“ Informationsfluss garantieren konnten.

Mit Liebe zum Detail haben die Kollegen an den Industrieständen den gehörlosen Zahntechniker jedes einzelne Bestandteil ihres Sortiments erklärt - und auch erklären können. Studentinnen zum Gebärden-sprachdolmetscher aus Magdeburg standen jederzeit bei Fragen und Antworten zur Verfügung. Beide Seiten, Hörende wie Gehörlose waren fasziniert und überrascht über den problemlosen Austausch von Informationen.

Das Rahmenprogramm

Selbstverständlich stimmte auch das Rahmenprogramm: Bei morgendlichen Spaziergängen direkt an der Nordseeküste bei herrlichen Sonnenaufgängen konnten sich die Teilnehmer in der Frühe den ausreichenden Appetit zu einem kräftigenden Frühstück am reichhaltigen Frühstücksbuffet des 4-Sterne-Hotels Kamp stärken. Später luden das Buffet und Abenddinner einerseits zum Schlemmen und zu fachlichen „Nachdiskussionen“ ein, andererseits aber auch zu langen privaten Gesprächen und zum gemütlichen Zusammensein ein.

Eigenes Resümee

Für mich als hörender Referent, der ich ja nun seit ca. 15 Jahren mit gehörlosen Zahntechnikern zeitweise im Labor wie auch in Kursen und Vorträgen zusammenarbeite, ist es immer wieder aufs Neue ein Genuss und eine stille Freude, wenn ich miterleben darf, wie zahlreich gehörlose Zahntechniker in entspannter Art und Weise in dem ernsthaften Bestreben zusammenkommen, um sich gemeinsam fortzubilden.
Wenn wir hörenden Zahntechniker oft von „unserer Dentalfamilie“ sprechen, und wie klein sie doch ist, dann kann ich mit Begeisterung sagen, wie groß und wie reich diese Familie wird, wenn wir gemeinsam, hörende wie gehörlose Zahntechniker, zusammenarbeiten.

So wie jeder einzelne Kollege und Referent begrüßt wurde, wurde er auch für seinen Vortrag mit lokalen Spezialitäten für seinen Vortag belohnt.

Wichtigkeit des Dolmetscherdienstes:

Wer es einmal selbst miterlebt hat, mit welchem Elan, Interesse und Wissensdurst gehörlose Zahntechniker und Zahntechnikerinnen die so lehrreichen fachlich korrekten verdolmetschten Erklärungen und Hilfestellungen der Arbeitsschritte in Kursen und Vorträgen aufsaugen, wird sicherlich wie ich positiv überrascht sein. Der Grund ist erfahrungsgemäß darin zu erkennen, dass die gehörlosen Kollegen die Arbeitsgänge häufig „nur“ aus dem schlichten Nachmachen des zuvor Gezeigten kennen, jetzt aber durch die detaillierten verdolmetschen Erklärungen die Gesamtzusammenhänge wesentlich besser „verstehen“ und begreifen. Vielleicht wird uns hörenden Zahntechnikern vielleicht dann erst deutlich bewusst, was für ein Potential brachliegt, wenn diese wertvolle Berufsgruppe nicht stärker aufgebaut und gefördert wird.

Die kleine aber dennoch große Gruppe der gehörlosen Zahntechniker stehen für ihren Beruf mit Hingabe fest zusammen. „Wir wollen uns für die wieder einmal hervorragenden Fortbildungstage in Cuxhaven bedanken und werben dafür, dass noch viele andere gehörlose Zahntechniker davon in Zukunft „hören“ und profitieren können.“

Mein Apell

„Liebe Kollegen, liebe Chefs und Abteilungsleiter, die Sie in Ihrem Betrieb gehörlose Mitarbeiter haben oder vielleicht auch noch nicht: An Sie habe ich die Bitte: Schenken Sie diesen Kollegen mehr Beachtung, fördern Sie sie regelmäßig und beschäftigen Sie sich selbst mit der Gebärdensprache und den oft schwierigeren und für und Hörende ungewohnten Lebensumständen dieser oft so „stillen Kolleginnen und Kollegen“: Ich garantieren Ihnen: Es lohnt sich in jedem Fall.

Dank

Ich gratuliere besonderes Herrn ZTM André Thorwarth und allen aktiven Beteiligten an der Planung und Durführung dieses in meinen Augen so wertvollen Meilensteins der dentalen Fortbildung.

Karl-Heinz Körholz 
Königswinter 03/2016

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